Wie verkraftet mein Körper diese Therapien?

Die rund sechs Monate, die die Therapie eines DLBCL durchschnittlich dauert, stellen für die meisten Betroffenen eine starke seelische und körperliche Belastung dar. Dennoch schaffen es viele Patientinnen und Patienten auch während dieser Zeit, ein relativ normales Leben zu führen und sogar arbeiten zu gehen. Spätestens sechs Monate nach dem Ende der Therapie sollte die frühere Leistungsfähigkeit wiederhergestellt sein. Bei einigen Behandelten tritt vor allem im ersten Jahr nach Therapieende eine starke Müdigkeit (= Fatigue) auf. Die nachgewiesen  erfolgreichste Therapie gegen Fatigue ist ein konsequentes Sportprogramm mit Kraft- und Ausdauertraining. Hilfreich für die Genesung sind auch aktive soziale Kontakte.

Welche Nebenwirkungen haben Chemotherapien?

Bei der Chemotherapie muss man akute und langfristige Nebenwirkungen unterscheiden. Kurzfristige Nebenwirkungen sind vor allem die Störung der Blutbildung, die Schädigung der peripheren Nerven und Haarverlust; Übelkeit und Erbrechen spielen heute bei den zur Behandlung des DLBCL eingesetzten Medikamenten dank wirksamer Gegenmittel gegen diese
Nebenwirkung (= Antiemetika) keine Rolle mehr. Langfristige Nebenwirkungen betreffen die Funktion von Herz und Keimdrüsen und ein erhöhtes Risiko, an weiteren bösartigen Tumoren zu erkranken.

Die Standard-Immunchemotherapie bestehend aus CHOP und Rituximab wird im Allgemeinen bis ins hohe Alter gut vertragen. Durch die Wirkstoffe der CHOP-Chemotherapie kommt es akut zur Unterdrückung des Knochenmarks mit verminderter Bildung von weißen und roten Blutkörperchen sowie Blutplättchen (= Myelosuppression). Die Myelosuppression beginnt
meistens 6-8 Tage nach Beginn der Chemotherapie, erreicht ihre stärkste Ausprägung am Tag 10, danach kommt es zur raschen Erholung. Deshalb sollte das Blutbild nach jedem Chemotherapie-Zyklus ein bis zwei Mal pro Woche kontrolliert werden. Ein erneuter Zyklus darf erst begonnen werden, wenn sich das Knochenmark weitgehend von der letzten Therapie erholt hat. Ob die Dosis einzelner Wirkstoffe reduziert werden muss, hängt davon ab, wie stark das Knochenmark geschädigt war und wie lange diese Schädigung angehalten hat.

Während der Immunchemotherapie ist das Risiko einer Infektion abhängig von der Zahl der weißen Blutkörperchen deutlich erhöht. Daher sollten ältere Menschen (über 60 Jahre) nach R-CHOP und jüngere Menschen nach R-CHOP-14 oder R-CHOEP-14 Wachstumsfaktoren (G-CSF = Granulozyten-Kolonien-stimulierender Faktor) erhalten. G-CSF wird als Spritze (= Injektion)
verabreicht und bewirkt, dass die weißen Blutkörperchen nicht so stark abfallen und schneller wieder ansteigen. Zusätzlich wird eine Vorbeugung vor Infekten empfohlen. Sie sollte bis zu vier Wochen nach Abschluss der Immunchemotherapie gegeben werden und aus den Wirkstoffen Aciclovir gegen Herpes- und CMV-Infektionen sowie Cotrimoxazol gegen Lungeninfektionen
bestehen. Fallen die weißen Blutkörperchen unter 1.000 oder die Granulozyten unter 500 pro Kubikmillimeter (mm3), so sollte zusätzlich ein Antibiotikum (z.B. Ciprofloxazin) bis zur Erholung der weißen Blutkörperchen (meistens am Tag 12 nach CHOP) gegeben werden. Die verminderte Produktion roter Blutkörperchen unter Chemotherapie führt nur selten zu einer Blutarmut (= Anämie), die eine Transfusion roter Blutkörperchen nötig macht. Verminderungen der Blutplättchen (= Thrombozyten) in einem Ausmaß, dass Thrombozyten übertragen werden müssen, sind extrem selten.

Eine Schädigung der peripheren Nerven, die sich durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Händen und Füßen (= Polyneuropathie) bemerkbar macht, wird durch den Wirkstoff Vincristin hervorgerufen und betrifft vor allem ältere Patientinnen und Patienten. Da diese Schädigungen mit jedem weiteren CHOP-Zyklus rasant zunehmen können, muss das Behandlungsteam schon beim Auftreten erster Beschwerden informiert werden. Gegebenenfalls wird dann beim nächsten Chemotherapiezyklus die Vincristin-Dosis reduziert oder Vincristin ganz abgesetzt.

Neben den Blutbildveränderungen und der damit erhöhten Infektionsgefahr stellt der durch die Chemotherapie bedingte Haarausfall (= Alopezie) für viele Patientinnen und Patienten die zweitgrößte Belastung dar. Daher ist es wichtig zu wissen, dass die Haare bereits wenige Wochen nach dem Ende der Chemotherapie wieder anfangen zu wachsen! 

Langfristige Nebenwirkungen können die Funktion der Keimdrüsen (= Hoden, Eierstöcke), des Herzens und des Knochenmarks betreffen. Bei Menschen mit Kinderwunsch sollte daher über die Gewinnung und Lagerung von Spermien bzw. Eierstockgewebe (= Asservierung) und/oder protektive Maßnahmen für die Eierstöcke gesprochen werden. Insbesondere Doxorubicin (das „H“ im CHOP-Schema) kann zu einer Schädigung der Herzmuskelkraft führen, was vor allem bei bereits vorgeschädigten Herzen beobachtet wird. Deshalb sollte die Herzfunktion (Herzultraschall, EKG) bereits vor Beginn der Therapie als auch in regelmäßigen Abständen danach überprüft werden.

Wie verträglich sind klassische Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate?

Abgesehen von der ersten Anwendung wird der Antikörper Rituximab im Allgemeinen gut vertragen. Insbesondere bei der ersten Gabe von Rituximab kann es zu einer sogenannten Infusionsreaktion kommen. Diese ist wahrscheinlich dadurch bedingt, dass es bei der ersten Gabe zu einem massiven Zerfall von Tumorzellen, aber auch von normalen B-Lymphozyten
im peripheren Blut kommt. Die Infusionsreaktion kann zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Atembeschwerden bis hin zu Fieber und Schüttelforst führen.

Seltener sind allergische Reaktionen, die sich als Schwellungen im Mund- oder Rachenraum sowie Hautausschlag bis hin zum allergischen Schock äußern können. Deshalb sollte die erste Rituximab-Gabe als langsame Infusion gegeben werden und unter Monitorkontrolle in Nähe eines Notfallkoffers stattfinden. Weitere Rituximab-Infusionen werden im Allgemeinen
ohne Nebenwirkungen vertragen.

Ab dem zweiten Zyklus kann Rituximab daher auch unter die Haut (subkutan) gegeben werden. Die subkutane Gabe von Rituximab ist in weniger als einer Viertelstunde beendet und wird von den meisten Patientinnen und Patienten bevorzugt. Obwohl Rituximab die peripheren B-Lymphozyten, also normale Zellen des Immunsystems, eliminiert, ist das durch Rituximab bedingte Infektionsrisiko gering. Es betrifft vor allem virale Infektionen wie die Gürtelrose; das (Wieder-)Auftreten von Herpesviren (= CMV-Reaktivierung) ist sehr selten und auch wenn die Rate von Lungenentzündungen mit Pneumocystis jerovici erhöht scheint, treten die beiden letzten Infektionen unter gleichzeitiger Prophylaxe mit Aciclovir und Cotrimoxazol praktisch nicht  mehr auf. Neben Rituximab finden in der Therapie des DLBCLs weitere klassische Antikörper, wie z.B. das gegen das CD19-Oberflächenmolekül gerichtete Tafasitamab Verwendung, das
ebenso gut verträglich ist wie Rituximab.

Die Antikörper-Wirkstoff-Konjugate wie Polatuzumab vedotin (anti-CD79BMMAE) oder Locastuzumab teserine (anti-CD19-teserine) verursachen spezifische Nebenwirkungen wie Blutbildveränderungen, Polyneuropathie, Durchfälle, Hautausschläge, Wassereinlagerungen in Gewebe und krankhafte Flüssigkeitsansammlung im Brustraum außerhalb der Lunge.

Nebenwirkungen der CAR-T-Zell-Therapie

CAR-T-Zellen können bei einigen Menschen schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen, sodass die Behandlung nur in Einrichtungen durchgeführt wird, die hinsichtlich ihrer Ausstattung  und ihres Personals alle Voraussetzungen erfüllen, um auftretende Nebenwirkungen gut behandeln zu können. Darüber hinaus erhalten Patientinnen und Patienten vor der Infusion der  CAR-T-Zellen vorbeugende Medikamente (z.B. Paracetamol und Antihistaminika). Nach der CAR-T-Zell-Infusion werden die Behandelten, abhängig vom jeweiligen CAR-T-Zell-Produkt, 7 bis 14 Tage stationär im Behandlungszentrum überwacht. Auch nach ihrer Entlassung sollten sie selbst auf Symptome achten und ihr Behandlungsteam sofort benachrichtigen, wenn sich ihr Gesundheitszustand ändert. 

Häufige Nebenwirkungen von CAR-T-Zellen, die bei mehr als einem von fünf Personen auftreten, sind:

Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) 

  • Fieber und Schüttelfrost
  • Niedriger Blutdruck und niedriger Sauerstoffgehalt
  • Schnelle Herzfrequenz und Veränderungen des Herzrhythmus (Arrhythmie)
  • Starke Müdigkeit

ICANS (Immune effector cell-associated neurotoxicity syndrome)
Probleme mit dem Nervensystem einschließlich des Gehirns (Enzephalopathie), Kopfschmerzen, Zucken oder Zittern und Schwindel
 

Fieberhafte Neutropenie
Fieber, das mit dem Rückgang der Anzahl der weißen Blutkörperchen (neutrophilen Granulozyten) verbunden ist, die normalerweise Infektionen bekämpfen.

Ausführlichere Informationen zu den Nebenwirkungen einer CAR-T-Zell- Therapie finden Sie in der KML-Broschüre „CAR-T-Zell-Therapie“, die auch unter www.lymphome.de im KML-Informationsportal verfügbar ist.

Nebenwirkungen bispezifischer Antikörper

Die in der DLBCL-Therapie verwendeten bispezifischen Antikörper Epcoritamab, Glofitamab und Odronextramab aktivieren unmittelbar das Immunsystem und rufen dadurch  Nebenwirkungen hervor, die denen der CAR-T-Zell-Therapie zum Teil ähneln. Die wichtigsten werden im hier noch einmal beschrieben:

Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS)
Das Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) ist die häufigste und am besten bekannte Nebenwirkung bispezifischer Antikörper. Es entsteht, weil die aktivierten T-Zellen große Mengen von Botenstoffen (Zytokine) freisetzen, die das Immunsystem im ganzen Körper in einen Alarmzustand versetzen.

Typische Symptome eines CRS sind:

  • Fieber und Schüttelfrost (oft das erste Zeichen)
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Niedriger Blutdruck und beschleunigter Herzschlag
  • Verringerter Sauerstoffgehalt im Blut

Das CRS tritt fast immer in der Anlaufphase der Behandlung auf, meist innerhalb der ersten zwei Tage nach einer Gabe. Die meisten Fälle sind leicht und klingen von selbst oder nach einfacher Behandlung (z.B. fiebersenkende Mittel, Flüssigkeit) wieder ab. Schwere Verlaufsformen (Zytokinsturm) sind selten, können aber intensivmedizinische Behandlung erfordern. Aus diesem Grund ist eine engmaschige Überwachung besonders in der Anfangsphase so wichtig.

Infektionen
Bispezifische Antikörper beeinflussen das Immunsystem und können dabei auch gesunde B-Zellen miterfassen. Dies führt zu einem Mangel an körpereigenen Antikörpern (= Immunglobulinen) und erhöht das Infektionsrisiko, besonders für Infektionen der Atemwege sowie Virusinfektionen. Um das Infektionsrisiko zu verringern, erhalten viele Patientinnen und
Patienten vorbeugend antivirale und antibiotische Medikamente sowie ggf. Immunglobulin-Infusionen. Außerdem empfiehlt das Behandlungsteam gegebenenfalls Schutzimpfungen vor Therapiebeginn. Zeichen einer Infektion, wie Fieber, Husten oder ein allgemeines Krankheitsgefühl sollten dem Behandlungsteam sofort gemeldet werden.

Neurologische Nebenwirkungen (ICANS)
Selten können bispezifische Antikörper das Nervensystem beeinflussen. Dieses als ICANS (Immune Effector Cell-Associated Neurotoxicity Syndrome) bezeichnete Syndrom äußert sich in Symptomen wie Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Zittern, Sprachproblemen oder Schläfrigkeit. Diese Beschwerden treten typischerweise in den ersten Wochen auf und sind in den meisten
Fällen vorübergehend. Das Behandlungsteam ist auf diese Komplikation vorbereitet.

Veränderungen im Blutbild (Zytopenien)
Häufig kommt es unter der Therapie zu einem vorübergehenden Rückgang von weißen Blutkörperchen (Neutropenie), roten Blutkörperchen (Anämie) und Blutplättchen  Thrombozytopenie). Diese Veränderungen werden regelmäßig durch Blutkontrollen überwacht. 

Die Behandlung mit bispezifischen Antikörpern erfolgt ausschließlich in spezialisierten Zentren, die auf die Behandlung dieser Nebenwirkungen vorbereitet sind. Zudem erhalten Betroffene vor jeder Gabe vorbeugende Medikamente (z.B. fiebersenkende Mittel und Antihistaminika). Eine
detaillierte Betrachtung von bispezifischen Antikörpern sowie deren Nebenwirkungen ist der KML-Broschüre „Bispezifische Antikörper“ zu entnehmen, welches über das KML-Informationsportal www.lymphome.de bezogen werden kann.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Die Nebenwirkungen der Strahlentherapie hängen davon ab, wie großflächig und in welcher Dosierung diese erfolgt. Da die beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom eingesetzten Strahlentherapien eine maximale Dosis von 40 Gy (= Gray, Dosiseinheit für Strahlen) vorsehen, erleiden nur wenige Behandelte schwerwiegende Nebenwirkungen. Diese können dann
die Schleimhäute von Organen betreffen, die im Strahlenfeld liegen, z.B. die Mundschleimhaut. Nach Abschluss der Strahlentherapie können diese Schleimhautschädigungen wie z.B. Mundtrockenheit oder der Verlust des Geschmackssinns über Monate andauern. Übelkeit tritt vor allem dann auf, wenn Verdauungsorgane im Strahlenfeld liegen. Relevante Auswirkungen
auf die Blutbildung werden nur beobachtet, wenn ein großer Anteil des Knochenmarks im Strahlenfeld liegt, insbesondere bei Bestrahlungen im Beckenbereich. Werden junge Frauen in Brustnähe bestrahlt, ist eine frühzeitige Brustkrebsvorsorge zu empfehlen.

Gibt es besondere Risiken bei der autologen Stammzelltransplantation?

Ein Vorteil der autologen Stammzelltransplantation besteht darin, dass sich die übertragenen „eigenen“ Zellen auf jeden Fall mit dem Körper vertragen. Allerdings führt die myeloablative Hochdosis-Chemotherapie vor einer autologen Stammzelltransplantation dazu, dass die Patientinnen und Patienten nach der Transplantation für etwa 10 Tage ohne nachweisbare Leukozyten
im peripheren Blut sind. Auch die Produktion der Blutplättchen wird durch die Induktionschemotherapie heruntergefahren, sodass die meisten Behandelten in der Woche nach der Transplantation Thrombozyten-Transfusionen benötigen. Drei Wochen nach der autologen Transplantation haben sich die Blutwerte weitgehend erholt und die meisten Patientinnen und Patienten können dann aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Da die myeloablative Therapie keine Rücksicht auf das Knochenmark nehmen muss, dieses wird ja durch die Transfusion der autologen Stammzellen ersetzt, kann die Dosierung so gesteigert werden, dass Nebenwirkungen in Organen entstehen, die man bei einer konventionell dosierten Chemotherapie nicht beobachtet. Als Organ mit einer hohen Rate an Zellneubildungen sind daher vor allem die Schleimhäute betroffen. Besonders im Mund kann es zu einer schmerzhaften Entzündung der Mundschleimhaut kommen, die manchmal eine Nahrungsaufnahme über den Mund für mehrere Tage unmöglich macht. Schluckbeschwerden oder Durchfälle, wenn die Schleimhaut der Speiseröhre oder des Darms betroffen
sind, kommen ebenfalls vor. Was über die Infektionsgefahr nach einer R-CHOP-Therapie weiter oben beschrieben wurde, gilt in viel stärkerer Ausprägung für die autologe  Stammzelltransplantation. Dennoch liegt die Rate infektionsbedingter Todesfälle nach autologer Transplantation unter einem Prozent.

Welche Risiken bestehen bei einer allogenen Stammzelltransplantation?

Grundsätzlich können alle bei der autologen Stammzelltransplantation beobachteten Nebenwirkungen auch bei der allogenen auftreten. Darüber hinaus ist die allogene Transplantation wesentlich risikoreicher, denn dabei wird den Erkrankten ein fremdes Immunsystem transplantiert, das den Umgang mit dem neuen Körper erst noch „erlernen“ muss. Bis dies der Fall ist (meistens nach ca. 100 Tagen nach Transplantation), muss das neu transplantierte Immunsystem durch eine immunsuppressive Therapie in Schach gehalten werden. Um das Infektionsrisiko bei der allogenen Transplantation zu vermindern, werden Patientinnen und Patienten nach der Transplantation in einem Einzelzimmer behandelt und gegen die Einschleppung von Keimen isoliert. Bei der allogenen Transplantation ist auch die Gefahr erhöht, dass das transplantierte Blut- und Immunsystem nicht anwächst oder nach anfänglichem Anwachsen seine Funktion wieder einstellt. Auch nach der Erholung der Knochenmarkfunktion sind allogen transplantierte Menschen sehr infektionsgefährdet, dies gilt für das erste Jahr, insbesondere für die ersten 100 Tage nach der Transplantation.

Obwohl die Spenderinnen und Spender danach ausgesucht werden, dass eine größtmögliche Übereinstimmung ihrer wichtigsten Gewebemerkmale (= major HLA-System) mit denen der Empfängerinnen und Empfänger vorliegt, unterscheiden sich beide praktisch immer hinsichtlich anderer Gewebemerkmale (= minor HLA-System). Dies ermöglicht einerseits die für den
Erfolg einer allogenen Transplantation unerlässliche „Graft-versus-Lymphoma-Reaktion“ (s.o.), kann aber auch dazu führen, dass sich die gespendeten Abwehrzellen des Immunsystems gegen die normalen Zellen des Erkrankten richten. Schäden vor allem an Haut, Darm und Leber sind die Zeichen einer solchen Abstoßungsreaktion (= Graft-versus-Host-Erkrankung). Während leichte Formen dieser Abstoßungsreaktion aufgrund der geringeren Rate an Lymphomrezidiven erwünscht sind, können stärkere GvH-Reaktionen lebensbedrohlich sein und stellen nach allogenen Transplantationen die häufigste Todesursache in der Zeit nach der Erholung des Blutbildes dar. Behandelt wird die GvH-Reaktion mit einer immunsuppressiven Therapie,
die aber ihrerseits das Infektionsrisiko des allogen transplantierten Menschen erhöht.

Welche Auswirkungen haben die Therapien auf die Fruchtbarkeit?

Besonders für jüngere Menschen mit diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen, deren Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, ist diese Frage von großer Wichtigkeit und Ärztinnen und Ärzte müssen die Betroffenen vor Therapiebeginn auf das Risiko hinweisen, dass es durch eine Chemotherapie mit R-CHOP zur Unfruchtbarkeit (= Infertilität) kommen kann. Das gilt insbesondere auch für autologe und allogene Stammzelltransplantationen, nach denen es nur in Ausnahmefällen zu erfolgreichen Schwangerschaften kommt. Da die Eizellen der Frau und die Samenzellen des Mannes durch die Chemotherapie geschädigt werden, sollten während der Chemotherapie und bis zwei Jahre danach empfängnisverhütende Maßnahmen getroffen werden, um in dieser Zeit Schwangerschaften zu verhindern.

Besteht ein Kinderwunsch, sollten männliche Patienten vor der Therapie Samenzellen spenden und einfrieren lassen (= Kryokonservierung). Bei Frauen kann die Chemotherapie zu einer vorzeitig einsetzenden Menopause, d.h. zu vorgezogenen Wechseljahren führen. Über Möglichkeiten zum Schutz der Eierstöcke oder zur Kryokonservierung von befruchteten und unbefruchteten Eizellen oder Eierstockgewebe informiert das Projekt „FertiPROTEKT“. 

 Projekt „FertiPROTEKT“.

Was passiert, wenn ich mich nicht behandeln lasse?

Diffuse großzellige B-Zell-Lymphome sind schnell wachsende aggressive Tumoren. Aus der Zeit vor der Verfügbarkeit wirksamer Therapien wissen wir, dass die Hälfte aller Erkrankten bereits nach sechs Monaten nicht mehr lebte, wobei die meisten an Infektionen starben. Allerdings gibt es große Schwankungen zwischen einzelnen Betroffenen. Angesichts der Tatsache, dass mit einer effektiven und konsequent durchgeführten Behandlung heute rund 80 Prozent aller Erkrankten von ihrem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom geheilt werden können, stellen das Aufschieben der Behandlung oder die Nichtbehandlung keine ernsthaft zu erwägende Alternative dar.