Diagnostik
Liegen keine für das Multiple Myelom typischen Beschwerden vor, wird die Diagnose oft zufällig im Rahmen einer Blutuntersuchung gestellt.
Um die Diagnose zu sichern, sind eine Knochenmarkpunktion und eine feingewebliche Untersuchung des gewonnenen Gewebematerials erforderlich. Bei dieser Untersuchung wird auch der Anteil der Plasmazellen im Knochenmark ermittelt. An einem Multiplen Myelom Erkrankte weisen manchmal über 90% Plasmazellen im Knochenmark auf, während dieser Wert bei Gesunden in der Regel weniger als 5% beträgt. Ebenso werden das Blutserum und der über 24 Stunden gesammelte Urin untersucht. Hier möchte man feststellen, ob und welche Antikörper bzw. Antikörperbruchstücke (= Paraproteine) von den Myelomzellen gebildet wurden und wie hoch ihr Anteil im Serum und im Urin ist. Dieses Wissen dient der Diagnosesicherung und erlaubt eine genaue Bestimmung des Paraprotein-Typs. Diesen zu kennen ist wichtig, um die Notwendigkeit einer Therapie und im weiteren Verlauf den Erfolg der Behandlung richtig beurteilen zu können. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zeigen, welche Knochen und Weichteile befallen sind und ermöglichen es, den Grad der Knochenschädigung einzuschätzen. Durch regelmäßige Ganzkörperaufnahmen können Ärzt:innen den Erfolg von Therapiemaßnahmen bzw. das Fortschreiten der Erkrankung verfolgen.
Wichtig ist auch die Abgrenzung eines aktiven Multiplen Myeloms (MM) zum Smoldering Multiplen Myelom (SMM) und zur Monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS). Obwohl alle drei Diagnosen auf denselben molekularbiologischen Vorstufen – den monoklonalen Plasmazellen – beruhen, unterscheiden sie sich deutlich in ihrer Prognose und darin, wie sie behandelt werden müssen. Die MGUS zeichnet sich durch eine geringe Menge (unter 10%) an Plasmazellen im Knochenmark aus und es liegen keine Organschäden vor. Eine Therapie ist in der Regel nicht erforderlich, aber eine regelmäßige Kontrolle wichtig. Beim „schwelenden“ SSM befinden sich schon 10-60% Plasmazellen im Knochenmark, auch hier gibt es noch keine Organschäden. Da das Risiko des Übergangs eines SMM in ein aktiven MM jedoch hoch ist, sollten hier engmaschige Kontrollen oder eine Beobachtung im Rahmen von Studien erfolgen.

Abbildung 1: Rekonstruktion einer Oberarmknochenfraktur infolge von Osteolysen beim multiplen Myelom. Der fette Pfeil weist auf die Bruchlinie. Der schlanke Pfeil kennzeichnet die in das Knochenmark eingedrungenen Myelomzellen. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Marius S. Horger, Universitätsklinikum Tübingen.