Diagnostik
Am Anfang jeder Diagnosefindung steht die Erhebung der Krankheitsgeschichte (= Anamnese) gefolgt von einer körperlichen Untersuchung, bei der Ärztinnen und Ärzte durch Ansehen, Abhören, Abtasten und Abklopfen des Betroffenen nach Befunden suchen, die auf ein diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom hinweisen. Danach erfolgt eine Untersuchung des Blutes sowie der Nachweis bzw. der Ausschluss von weiterem DLBCL-Befall durch eine Computertomografie (CT) von Hals, Brust- und Bauchraum sowie des Beckens.
International wird empfohlen, eine Positronen-Emissions-Tomografie (= PET) mit der CT zu kombinieren (= PET-CT). Dazu wird Betroffenen radioaktiv markierter Zucker injiziert, der sich in stoffwechselaktiven Geweben anreichert und mit einer Kamera abgebildet werden kann. Obwohl das PET-CT als empfindlichere Methode zum Nachweis eines Lymphombefalls gilt als ein CT oder eine Kernspintomografie (= MRT / Magnetresonanztomografie), wird diese Untersuchung in der Regel nur zur initialen Ausbreitungsdiagnostik (Staging) und zum Abschlussstaging eingesetzt. Außerhalb von klinischen Studien erfolgt das Zwischenstaging typischerweise
durch eine klassische kontrastmittelgestützte CT-Untersuchung.
Was ist ein normales Blutbild?
Wenn sich die Zellen eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms auch im Knochenmark angesiedelt und vermehrt haben, stören bzw. verdrängen sie die normale Blutbildung. Dies führt zu Veränderungen im Blutbild, das Auskunft über die Zusammensetzung der Zellen des Blutes gibt. Im sogenannten „großen Blutbild“ (= kleines Blutbild + Differentialblutbild) wird die Zahl der roten Blutkörperchen (= Erythrozyten), der weißen Blutkörperchen (= Leukozyten) und Blutplättchen (= Thrombozyten) pro Mikroliter (μl) bzw. Kubikmillimeter (mm3) ermittelt. Im Differentialblutbild wird die genaue Verteilung der einzelnen Unterformen der Leukozyten bestimmt. So kann man feststellen, ob und welche Leukozytenformen vermindert sind. Ganz selten findet man auch DLBCL-Zellen im peripheren Blut.
Um festzustellen, was „normal“ ist, werden die Blutwerte von gesunden Männern und Frauen ermittelt und daraus ein Mittelwert bestimmt. Als Normalwert gilt jener Bereich, in den die Werte von 95 Prozent der gesundenBevölkerung fallen. Das bedeutet aber auch, dass fünf Prozent der Normalbevölkerung Blutwerte haben, die unterhalb oder oberhalb der Normalgrenzen liegen und die dennoch gesund sind. Wenn die Zahl der Blutzellen eines Menschen deutlich außerhalb der Normalwerte liegt, müssen Ärztinnen und Ärzte nach der Ursache für diese Abweichung suchen.
Blutwerte gesunder Erwachsene
| Kleines Blutbild | Männer | Frauen | Einheit |
|---|---|---|---|
| Erythrozyten (=rote Blutzellen) | 4,6 -5,9 | 4,0 - 5,2 | Millionen pro Mikroliter (µl) bzw. Kubikmillimeter (mm3) |
| Hämatokrit (= Anteil fester Blutbestandteile) | 41 - 50 | 37 - 46 | Prozent |
| Leukozyten (= weiße Blutzellen) | 4,0 - 10,0 | 4,0 - 10,0 | Tausend pro Mikroliter (µl) bzw. Kubikmillimeter (mm3) |
| Thrombozyten (= Blutplättchen) | 150 - 450 | 150 - 450 | Tausend pro Mikroliter (µl) bzw. Kubikmillimeter (mm3) |
| Hämoglobin (Hb) (= roter Blutfarbstoff) | 14,0 - 18,0 | 12,0 - 16,0 | Gramm (g) pro Deziliter (dl) |
| Differentialblutbild | Anteil an Leukozyten in Prozent (%) |
|---|---|
| Neutrophile Granulozyten | 50 - 70 |
| Eosinophile Granulozyten | 2 - 4 |
| Basophile Granulozyten | 0 - 1 |
| Monozyten | 2 - 6 |
| Lymphozyten | 25 - 45 |
Da sich ein diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom aber nur selten und dann erst im späteren Verlauf im Blutbild bemerkbar macht, schließen normale Blutwerte ein DLBCL nicht aus. Wenn aufgrund von Beschwerden oder aufgrund einer körperlichen Untersuchung der Verdacht auf ein Lymphom besteht und eine andere Ursache für die Lymphknotenvergrößerung (zum Beispiel eine Infektion mit einem Epstein-Barr-Virus (= EBV), einem Zytomegalievirus (= CMV) oder durch Toxoplasmose) ausgeschlossen werden kann, sollte jede länger als acht Wochen anhaltende Lymphknotenvergrößerung feingeweblich untersucht werden.
Entnahme von Lymphknotengewebe
Für eine feingewebliche Untersuchung wird Betroffenen in einem chirurgischen Eingriff ein vergrößerter Lymphknoten entnommen. Je nach Lage des vergrößerten Lymphknotens dauert dieser Eingriff nicht lange und kann häufig ambulant nach örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Ist die Lymphknotenentnahme nicht möglich bzw. technisch schwierig oder aufwändig (z. B. wenn sich der Lymphknoten hinter dem Bauchfell vor der Wirbelsäule befindet), kann im Ausnahmefall auch mittels einer Stanznadel (gegebenenfalls unter Kontrolle durch Ultraschall, MRT oder CT) ein Gewebezylinder aus dem Lymphknoten entnommen werden. Eine solche Stanzbiopsie eines Lymphknotens ist allerdings zur Diagnosestellung und insbesondere zur Bestimmung der Unterformen eines Lymphoms nur selten
ausreichend. Das Ansaugen einzelner Zellen mittels einer Feinnadelpunktion ist zur Diagnosestellung eines Lymphoms nicht geeignet.
Zur Aufbewahrung des Gewebes wird dieses entweder in Paraffin eingebettet oder eingefroren. Da einige Untersuchungen nur an Frischgewebe durchgeführt werden können, empfiehlt es sich, einen Teil des Gewebes einzufrieren.
Untersuchung des Lymphknotens
Aus dem entnommenen Lymphknoten werden sehr dünne Scheiben (= Gewebeschnitte) angefertigt, auf einen gläsernen Objektträger aufgebracht und unter dem Mikroskop begutachtet. Bei Verdacht auf ein Lymphom sollte diese Begutachtung immer durch ausgewiesene Fachleute für Hämatopathologie erfolgen, zum Beispiel in pathologische Referenzzentren, die auf die Diagnose von bösartigen Erkrankungen des Blut- und Immunsystems spezialisiert sind.