Die Deutsche CLL-Studiengruppe (DCLLSG) wurde 1996 gegründet, um die Diagnostik und Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) im Rahmen kontrollierter prospektiver Studien zu optimieren. Sie steht unter der Leitung von Prof. Dr. M. Hallek von der Universität zu Köln. Seit 1997 wurden durch die DCLLSG mehrere Phase I-III-Studien-Protokolle aktiviert, welche die Behandlung von Patienten aller Stadien der CLL umfassen. Seit 1999 wird die Arbeit der Studiengruppen durch Mittel der Deutschen Krebshilfe gefördert. Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit der Studiengruppe ist es, die Behandlung mit allen Zentren im deutschsprachigen Raum so abzustimmen und zu vernetzen, dass die neuesten Diagnostik- und Therapieoptionen allen Patienten zur Verfügung gestellt werden können.

Erfolge

Die Therapieoptionen für Patienten mit CLL haben sich rasant weiterentwickelt. Zwei DCLLSG-Studien haben zur Zulassung von Antikörpern in Kombination mit Chemotherapie geführt: Mit den Ergebnissen der CLL8-Studie wurde Rituximab für die fitten Patienten mit CLL zugelassen, Patienten mit mutiertem IGHV-Status profitieren extrem lange von der Chemoimmuntherapie (Referenz Fischer et al). Die Ergebnisse der CLL11-Studie führten zur Zulassung von Obinutuzumab mit Chlorambucil. CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen erreichten damit tiefe molekulare Remissionen.

Die Ergebnisse der CLL14-Studie (der Nachfolgestudie der CLL11-Studie) zeigen, dass eine chemotherapiefreie, zeitlich limitierte Behandlung mit der Kombination von Venetoclax und Obinutuzumab zu einer längeren progressionsfreien Zeit im Vergleich zur Immunchemotherapie führt; die Daten liegen im Rahmen eines Zulassungsverfahrens der FDA vor.

Mit den Ergebnissen der CLL2BIG- und der CLL2BAG-Studie konnten bereits zwei Studien basierend auf dem Triple-T-Konzept (= Tailored, Targeted, Total MRD-Eradication) bei der auf die individuelle Tumorlast zugeschnittene Therapieoptionen getestet wurden, publiziert werden. Es konnten außerordentlich hohe Ansprechraten und tiefe molekulare Remissionen erzielt werden.

Ziele

Ziel der DCLLSG ist es, das Überleben von allen CLL Patienten- unabhängig vom Stadium der Erkrankung oder den Prognosefaktoren zu verlängern, bzw. die Erkrankung bei einem Teil der Patienten in Zukunft sogar zu heilen. Als Konzept wird hier eine möglichst effektive Eradikation der CLL Klone angestrebt. Die CLL13 Studie, die die DCLLSG zusammen mit europäischen Studiengruppen und Israel in 11 Ländern durchführt, prüft 3 chemotherapiefreie Regime gegen den Standard für die fitten Patienten. Erste Ergebnisse werden 2021 erwartet.

Mit der Zulassung von zielgerichteten Substanzen, die in der Regel bis zum Progress der Erkrankung eingenommen werden, ist die Chemoimmuntherapie nicht mehr der alleinige Standard in der Behandlung der CLL. Eine weitere große Phase 3 Studie ist in Vorbereitung, hier sollen zeitlich begrenzte Therapien gegen eine dauerhafte Monotherapie geprüft werden.

Die CAR-T-Zelltherapie wird als große Chance für alle Patienten bewertet, die auf die konventionelle Therapien nicht mehr ansprechen. Eine öffentlich geförderte CAR-T-Zell—Studie der DCLLSG wird vorbereitet.

Ein Progress der CLL in ein aggressives Lymphom, eine sogenannte Richter-Transformation, stellt aufgrund der schlechten Prognose eine therapeutische Herausforderung dar. Im Rahmen einer Phase II Studie der DCLLSG wird eine Kombination mit einem Kinaseinhibitor und einem Immunmodulator evaluiert.

Darüber hinaus ist die konkrete Arbeit der Grundlagenforschung zur Beantwortung von Fragen zur subklonalen Entwicklung von CLL-Zellen, Resistenzforschung und Ansätzen für neue Therapieoptionen von höchster Wichtigkeit.

Mit dem DCLLSG-Register sollen Daten über Patienten außerhalb von Studien gesammelt und Krankheitsverläufe nach Abschluss von klinischen Studien weiterverfolgt werden.

Literatur

Fischer K, Bahlo J. et al. Long-term remissions after FCR chemoimmunotherapy in previously untreated patients with CLL: updated results of the CLL8 trial. Blood. 2016 Jan 14;127(2):208-15.

Langerak AW, Ritgen M, Goede V. et al. Prognostic value of MRD in CLL patients with comorbidities receiving chlorambucil plus obinutuzumab or rituximab. Blood. 2019 Jan 31;133(5):494-497.

von Tresckow J, Cramer P, et al. CLL2-BIG: sequential treatment with bendamustine, ibrutinib and obinutuzumab (GA101) in chronic lymphocytic leukemia. Leukemia. 2018 Dec 19.

Cramer P, von Tresckow J, Bahlo J, et al. Bendamustine followed by obinutuzumab and venetoclax in chronic lymphocytic leukaemia (CLL2-BAG): primary endpoint analysis of a multicentre, open-label, phase 2 trial. The Lancet. Oncology. 2018;19(9):1215-1228.

Kontakt & Ansprechpartner

Studienzentrale der
Deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG)
Klinik I für Innere Medizin
Uniklinik Köln
50924 Köln

Tel.: +49-(0)221-478-8822-0
Fax: +49-(0)221-478-86886
E-Mail: cllstudie@uk-koeln.de
Homepage: http://www.dcllsg.de

Studiengruppenleitung

Prof. Dr. Michael Hallek (Uniklinik Köln)

Wissenschaftliche Sekretäre

PD Dr. Barbara Eichhorst (Uniklinik Köln)
Prof. Dr. Clemens Wendtner (Klinikum Schwabing, München)

Leitung Studienzentrale

Dr. Kirsten Fischer

Studien

Eine Übersicht über die aktuell laufenden und die bereits beendeten Studien finden Sie hier.

Weitere Informationen bietet auch die Internetseite der DCLLSG: www.dcllsg.de